Forum Medizin zur Rapid.Tech 3D

Marie Saverino,

3D-Druck von Kopf bis Fuß

Die Qualität additiver Fertigung ist so weit fortgeschritten, dass sie die hohen Standards in der Medizintechnik für immer mehr Anwendungen erfüllt. Über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten informiert das Medizin-Forum der Rapid.Tech 3D.

Funktionalität und Ästhetik in der Hand- und Armprothetik vereint eine Neuentwicklung des Schubert + Braun Prothesenwerkes Dresden. © Prothesenwerk

„3D-Druck kommt zunehmend in Hochrisikobereichen zum Einsatz, so für die individuelle Nachbildung von Gefäßen. Die Technologie trägt zum Beispiel bei, lebensbedrohliche Situationen, wie sie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen können, besser und schneller zu therapieren. Dieser Aspekt ist einer von vielen, der auf der Agenda des diesjährigen Medizin-Forums zur Rapid.Tech 3D steht. Kurz gefasst zeigen wir, wie die 3D-Drucktechnik Diagnostik und Therapie von Kopf bis Fuß unterstützt und dabei immer mehr vom Körperäußeren ins Körperinnere vordringt“, sagt Dr. Özlem Weiss. Die Geschäftsführerin des Life-Sciences-Beratungsunternehmens Expertants verantwortet die inhaltliche Ausrichtung des Forums, das am 10. Mai 2023 stattfindet.

Inspirationen aus dem industriellen 3D-Druck für medizintechnische Produkte gibt Dr. Bart Engendahl, Geschäftsführer von Chromatic 3D Materials. Das Unternehmen hat sich u. a. auf Material- und Verfahrensentwicklungen im Bereich Elastomere spezialisiert und ermöglicht den 3D-Druck von Teilen mit sehr glatter Oberfläche. Dr. Engendahl wird u. a. die Biokompatibilität und Stabilität der Materialien erläutern. Ebenso greift er das Thema Multimaterialdruck auf. Das Drucken verschiedener Materialien in einem Bauteil ist besonders in Anwendungen interessant, in denen eine Kontaktfläche möglichst weich und elastisch sein soll, aber gleichzeitig eine hohe Stabilität gewährleistet werden muss.

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Neue OP-Methoden am Gehirn mit 3D-Druck-Modellen trainieren

Operationen am Gehirn gehören zu Hochrisiko-Eingriffen in der Chirurgie. 3D-gedruckte Modelle eröffnen hierfür realitätsnahe Forschungs- und Trainingsmöglichkeiten. Dr. Hannes Schwenke vom Institut für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein arbeitet mit weiteren Forschenden an Modellen, welche die Eigenschaften der menschlichen Neuro- und Gefäßanatomie so simulieren, dass daran reale Operationen erprobt und trainiert werden. Ein Fokus liegt auf Eingriffen an Hirngefäßen. Über neuartige Operationsmethoden zur Therapie komplexer Hirngefäßaneurysmen mittels 3D-gedruckter Modelle berichtet Dr. Schwenke in seinem Vortrag in Erfurt.

Die Behandlung einer verletzten oder gar gerissenen Hauptschlagader ist ebenfalls mit hohen Risiken verbunden. Beim Aorten-Riss besteht Lebensgefahr, der Patient muss sofort operiert werden. Meist wird das betroffene Gefäß durch ein Implantat ersetzt. Bisher sind das konventionell hergestellte Stents mit starren Maßen. Matthias Kern, Project Manager Medical Technologies bei der FIT Production Lupburg, plädiert für eine bessere Lösung im Notfall und stellt patientenspezifisch additiv gefertigte Aortenstents vor, die minimalinvasiv implantiert werden können. FIT arbeitet hierbei mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und dem Universitätsklinikum Regensburg zusammen.  

Funktionalität und Ästhetik in der Armprothetik vereint

Wie additive und digitale Technologien Funktionalität und Ästhetik in der Armprothetik verbinden, darüber spricht Christoph Braun, Geschäftsführer des Schubert + Braun Prothesenwerk Dresden. Das Unternehmen schließt damit eine Lücke, denn bisher konnten sich Prothesenträger zwischen kosmetischen Hand- und Armprothesen ohne Funktion oder funktionelle Prothesen mit massiven Einbußen im kosmetischen Erscheinungsbild entscheiden. Schubert und Braun haben jetzt passiv bewegliche Prothesen mit hohem kosmetischem Niveau entwickelt. Möglich machen das integrierte Prothesenhände bzw. Handglieder, Hand- und Ellbogengelenke, welche in die kosmetischen Armprothesen integriert werden. Die Herstellung der Passteile erfolgt mittels 3D-Druck im Laser-Sinter-Verfahren, nachdem die Teile vorher individuell als Digitalmodell erstellt wurden.

Für die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal sowie das Entwickeln und Simulieren neuer Behandlungsmethoden stellt S3D Repro aus St. Pölten/Österreich 3D-gedrucktet anatomische und pathologische Modelle mit originalgetreuen Eigenschaften bereit. Dank solcher Modelle kann auf Körperspender oder Tierkadaver verzichtet werden. Oliver Simon, Gesellschafter und Standortleiter Deutschland, gibt einen Einblick in aktuelle Entwicklungen bei S3D Repro.

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