Der Stand der Dinge

Gregor Reischle,

Unternehmerischer Mehrwert oder Marketingschwärmerei?

Der 3D-Druck hat in den vergangenen Jahren Aufwind bekommen, und Material- und Maschinenhersteller haben das Potenzial dieser Technologie erkannt. Gregor Reischle arbeitet seit 2008 an Lösungen in dem Bereich der qualitätsgesicherten AM-basierten Produktion. In seiner Kolumne fragt er sich: Wie hoch ist eigentlich der unternehmerische Mehrwert der industriellen additiven Fertigung?

Gregor Reischle © Reischle

Innerhalb des Geschäftsfeldes der additiven Fertigung liest man die verschiedensten Aussagen: Die additive Fertigung habe das Potenzial, die Fertigungsindustrie zu revolutionieren, und werde diese für immer verändern, heißt es. Oder: Mit der Einführung von industriellen 3D-Druckern habe sich die Art und Weise, wie Unternehmen produzieren, stark verändert. Die Technologie ermögliche es, praxisnahe Lösungen zu entwickeln und kundenspezifische Teile effizient in größerem Maßstab zu produzieren. Gleichzeitig könnten sowohl Prototypen als auch Endprodukte in kurzer Zeit hergestellt werden, was Kosten und Zeit spare. Zusätzlich werde durch die Verwendung additiver Fertigung die Lieferkette entlastet.

Kurz gesagt: Die additive Fertigungstechnologie biete Unternehmen eine Reihe von Vorteilen, darunter eine höhere Effizienz, eine schnellere Produktion und eine bessere Kontrolle über die Lieferkette. Unternehmen, die auf diese Technologie setzen, werden in der Lage sein, sich von der Konkurrenz abzuheben und erfolgreich zu sein.

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Die Marketingstrategien der AM-Industrie nutzen die zahlreichen AM-Potenziale, die es ja tatsächlich gibt, um den möglichen Investor zum großen Fertigungstraum einzuladen. Jedoch sollten Unternehmer im Hinterkopf behalten, dass die AM-Technologien bei einer reinen Rentabilitätsbetrachtung nur eine kleine Produktnische bedienen können.

Die passende Nischenstrategie für AM finden

Um die Investitions-Sinnhaftigkeit in die additive Fertigung zu validieren, sollten Unternehmer zusätzlich zur Rentabilitätsbetrachtung weitere strategisch relevante Entscheidungsfaktoren berücksichtigen.

Eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse ist ein wichtiger Schritt, um die potenziellen Vorteile gegenüber den Implementierungskosten zu bewerten. Darüber hinaus ist es wichtig, den strategischen Unternehmensentwicklungseinfluss zu betrachten. Hierzu beleuchtet man die Marktpotenziale rund um die „Nachhaltigkeit & Innovationskraft der Additiven Fertigung“.

Unternehmen sollten auch sicherstellen, dass sie über ausreichendes technologisches Know-how verfügen, um die Technologie effektiv zu nutzen, bzw. sollten sie die Kosten des Erfahrungsaufbaus nicht unterschätzen. Des Weiteren sollten sie bewerten, ob der Einsatz von additiver Fertigung einen Wettbewerbsvorteil bieten kann. Investitionsbedarf, Skalierbarkeit, regulatorische Anforderungen, Risikobewertung und die Validierungskosten sowie die Erstellung eines Businessplans sind weitere wichtige Faktoren, die bei der Entscheidung, in additive Fertigungstechnologie zu investieren, berücksichtigt werden sollten. Unternehmen, die diese Entscheidungsfaktoren gründlich prüfen und eine kluge Investitionsentscheidung treffen, können ihre Produktinnovation revolutionieren und ihre Lieferkette nachhaltig transformieren.

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Über Gregor Reischle

Gregor Reischle, Dipl.-Ing., MBA, leitet mehrere internationale Standardisierungsprojekte im DIN, ISO, ASTM. Er hat viele Jahre die Unternehmen EOS GmbH und TUV SUD PS GmbH bei dem Aufbau von AM-Dienstleistungen begleitet. Sein Beratungsunternehmen AM Entrepreneur fokussiert sich auf die Qualitätssicherung anspruchsvoller Bauteile, Produktionslösungen und Lieferketten. Gregor Reischle sorgt mit seiner Beratung dafür, dass der Spagat zwischen „Unternehmerischem Nutzen“ und „Qualitätsgesicherter AM-Fertigung“ gelingen kann.

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